Sich positionieren mit Unternehmensverantwortungskonzepten  | 21.11.2020

88% der deutschen Bevölkerung denkt laut des Edelman Trust Barometers nicht, dass Unternehmen verantwortungsbewusst für sie arbeiten. Laut der Bertelsmann Studie aus 2010 / 2012 wünschen sich fast 90% der Deutschen ein neues Wirtschaftssystem, das soziale und ökologische Aspekte stärker berücksichtigt. Dieser Trend findet aktuell Verstärkung – auch im Wirtschaftssektor – u.a. durch die Corona-Krise, aber auch durch die Klimakrise. Zusammenschlüsse der Wirtschaft auf freiwilliger Basis wie Entrepreneurs for Future, Wirtschaft pro Klima,  Ideen zu Unternehmen in Verantwortungseigentum zu übergeben u.a. machen das deutlich.

Verantwortung versus Pflicht

Verantwortung ist ein relativ junger Begriff. Früher wurde eher von Pflicht gesprochen. Das Vorkommen des Begriffs Pflicht und Verantwortung in der Literatur entwickelte sich zunehmend auseinander. Hier überschritt um 1950 die Häufigkeit des Vorkommens von Verantwortung erstmals die von Pflicht. Seitdem vergrößert sich die Lücke zusehend – Verantwortung ersetzt zunehmend den Begriff Pflicht.

Ursprünglich wurde Verantwortung nur im Sinne der Zuschreibung von Verantwortungsfähigkeit (Hume, Kant), dann im Sinne der Zuweisung praktischer Verantwortung (Mill, Weber) gesehen.

Verantwortung kann nach Christian Neuhäuser als vierstellige Relation betrachtet werden: v(U,E,M,A):

Urheber (U) ist für Ereignis (E) auf der Grundlage des normativen Masstabes (M) gegenüber Adressat (A) verantwortlich.

Als Urheber kommen Individuen genauso in Frage wie Unternehmen oder Staaten. Aufgepaßt: Als Ereignis ist eine Handlung, ebenso aber auch eine Unterlassung zu sehen. Der normative Maßstab kann sich orientieren an juristischen Aspekten oder auch ökonomischen, moralischen etc. Adressaten sind Individuen, Instituionen bis hin zu Gott als „Anspruchsträger“.

 

Nachhaltiges Management ist enkeltauglich

Nachhaltiges Management ist eins von mehreren Modellen der Unternehmensverantwortung und hier deshalb aufgeführt, weil es aufgrund der Herausforderungen unserer Zeit mehr und mehr in den Fokus rückt.

Hans Carl von Carlowitz formulierte Anfang 1700 den Begriff der Nachhaltigkeit. Er stellte eine einfache Nachhaltigkeitsregel auf: Immer nur so viel Holz schlagen, wie nachwachsen kann – das Konzept für ein sich selbst erhaltendes Wirtschaftssystem.

Bei Nachhaltigkeit gemäß der triple bottom line geht es um ökologisch vertretbare, sozial gerechte und ökonomisch tragfähige Strategien und Konzepte. Entscheidungen in dieser Hinsicht beziehen sich auf die gesamte Wertschöpfungskette einer Organisation – Beschaffung – Produktion – Vertrieb/ Logistik – Konsum und die entsprechenden dahinterstehenden Stakeholdergruppen, wie Lieferanten, Kunden, ebenso aber auch auf Mitarbeitende, Partner, Investoren, Gesellschaft.

Nachhaltigkeit grundsätzlich ist ein Gerechtigkeitskonzept (Enkelgerechtigkeit) und weist inzwischen viele Schnittstellen auf mit Gemeinwohl. Gemeinwohl steht für „Das Gute für alle Menschen als Gegenentwurf zu das Gute für Einzelne“.

Unternehmensverantwortungskonzepte als Risikomanagement

Systemische Risiken

Wir stehen heute vielfältigen und global zusammenwirkenden, d.h. systemischen Risiken in ökologischer, ökonomischer und sozialer Form gegenüber.

Finanz- und Wirtschaftskrisen

Eine aktuelle Krise wie Corona aber auch vorhergehende Krisen wie die Eurokrise 2010/ 2012, die Finanzkrise ab 2007, die Dotcom-Krise 2000 stellen uns vor immer neue u.a. ökonomische Herausforderungen.

Gesetzliche Regularien

Gesetzlichen Regularien im Rahmen des EU Green Deals bzw. auf nationaler Ebene  – Klimaschutzgesetz, Kreislaufwirtschaftsgesetz – tragen ihren Teil zu dem, was es zu bewältigen gilt, bei.

Ökologische Risiken

Lt. dem Weltklimarat IPCC befinden wir uns auf dem Pfad zu einer Erderwärmung um 3,3 bis 5,4 Grad. Das ist das Worst-Case-Szenario. Deutschland erlebt lt. DWD den 12. zu trockenen April in Folge. Das Artensterben ist lt. WWF und NABU neben dem Klimawandel die größte Bedrohung für die Menschheit – rund eine Million Tierarten sind akut vom Aussterben bedroht. Ein weiteres ökologisches Problem ist die Vermüllung  – Deutschland ist fünftgrößter Müllproduzent weltweit.

Soziale/ gesellschaftliche Risiken

Der demografische Wandel bewirkt sich verändernde Zielgruppen – das betrifft die Klientel von NPOs genauso wie die Kunden von Unternehmen. Deren Ansprüche steigen – die Gruppe der LOHAS – Lifestyle of Health and Sustainability wächst. Das Werteverständnis verändert sich generell, denn die Digitalisierung zieht ein völlig verändertes Kommunikationsverhalten der Konsumenten nach sich und eine veränderte Wissenskultur – noch nie war es so einfach, sich Informationen zu verschaffen.

Die wachsende Soziale Ungleichheit – der Gini-Koeffizient in Deutschland steigt. Lt.  Hans-Böckler-Stiftung lag er 2018 bei 0,31 lag,1991 bei 0,247. Soziale Ungleichheit ist ein Garant für sozialen Unfrieden, politische Verwerfungen, steigende Aggressionen und Kriminalität – weltweit ebenso wie national und lokal.

Nach einer Studie vertrauen 49% der Befragten einem Unternehmen/ einer Organisation, wenn es sich an ethische Geschäftspraktiken hält, 62%, wenn es die Mitarbeitenden gut behandelt, 46%,  wenn es sich für die Umwelt einsetzt. Kompetenz (Versprechen einlösen) und Ethik (sich für Weiterentwicklung der Gesellschaft und Verteilung von Wohlstand einsetzen) sind nach einer weiteren Studie die Hauptkriterien von Vertrauen.

Die Wirtschaft schneidet in der letztgenannten Studie mit 5 Punkten aus Sicht der Deutschen noch am besten im Bereich Kompetenz ab (Skala -50 bis +50 Punkte). Bei Ethik liegt die Wirtschaft mit -14 Punkten und die Regierung mit -18 Punkten klar im unethischen Bereich.

Überholtes Wirtschaftssystem

Unser Wirtschaftssystem basiert u.a.  auf

  • dem rein nutzenorientierten Modell des Homo Oeconomicus
    • Den Homo oeconomicus gibt es in dem Sinne nicht. Der Mensch in seiner Komplexität wird hier nicht abgebildet
  • Ökonomisch verengte Politikkonzepte
  • der Annahme, Markt und Profitorientierung würde es schon richten (Unsichtbare Hand, trickle-down-effekt)
  • der Voraussetzung von unendlichen Ressourcen
    • Unendliche Ressourcen gibt es nicht. Lt. verschiedenen Studien ist Wirtschaftswachstum nicht von einem wachsenden Ressourcenverbrauch zu entkoppeln.

Damit werden Unternehmensverantwortungskonzepte und nachhaltiges Management zum Risikomanagement.

Formen von Unternehmensverantwortungskonzepten

An erster Stelle steht die Erkenntnis, dass – beispielsweise aufgrund einer  zugrunde liegenden Situation –  Verantwortung entstanden ist bzw. grundsätzlich besteht. An zweiter Stelle steht die Akzeptanz. Verantwortung kann dabei

  • freiwillig übernommen werden
  • automatisch zufallen
  • legitim zugewiesen werden.

Die Empfehlung lautet: Gehen Sie an Verantwortung proaktiv und freiwillig heran. Damit ist die Verantwortung gemeint, die über Verpflichtungen hinausgeht. Verantwortung zu übernehmen, bevor das Kind in den Brunnen gefallen ist, zum Beispiel dadurch, dass man einen Deckel auf dem Brunnen befestigt, ermöglicht einen deutlich entspannteren Umgang damit.

Der Ehrbare Kaufmann – das Comeback

Der Begriff „Ehrbarer Kaufmann“ existiert in der Literatur seit dem 12. Jahrhundert. Seit damals wird in Europa das Leitbild des Ehrbaren Kaufmanns in Kaufmannshandbüchern nachweisbar. Die Anfänge finden sich im norddeutschen Städtebund der Hanse, die auch ein Leitbild entwickelt hat für den Ehrbaren Kaufmann.

Der Ehrbare Kaufmann steht für das eigene Unternehmen verantwortungsbewusst ein, ebenso für Umfeld und Umwelt. Er hat den langfristigen wirtschaftlichen Erfolg zum Ziel, ohne die Interessen von Umfeld und Umwelt zu schmälern.

Nachhaltigkeit / nachhaltiges Management – heutzutage quasi als Novum gehandelt – ist also bereits seit Jahrhunderten existent und feiert heute – im Angesicht von Klima- und anderen Krisen – ein berechtigtes Comeback.

Licence to operate

Die Licence to operate ist verknüpft mit dem Thema CSR, welches in der Industrialisierung seinen Anfang nahm und hat naturgemäß einen starken Stakeholderbezug. Die Licence to operate steht und fällt damit, ob Unternehmen/ Organisationen ethischen Grundsätzen entsprechen und dahingehend Zustimmung und Akzeptanz erfahren.

 „Die unterste Ebene von Reputation ist die License to operate. Diese bezeichnet die gesellschaftliche Akzeptanz eines Unternehmens und seines Geschäftsmodells. Eine fehlende License to operate drückt sich in einem Verlust der Bereitschaft von Stakeholder Gruppen zur Kooperation mit dem Unternehmen. Dadurch wird die Wertschöpfung des Unternehmens erschwert, wenn nicht sogar unterbunden. Sie könnte daher auch als Basis der unternehmerischen Wertschöpfung bezeichnet werden.

Shared Value

Das Konzept des Shared Values kann folgendermaßen formuliert werden: „Shared Value beinhaltet Richtlinien und Praktiken, die die Konkurrenzfähigkeit eines Unternehmens erhöhen und zugleich die wirtschaftlichen und sozialen Bedingungen der Gemeinschaft verbessern.“ Der Ansatz geht über CSR hinaus, Ziel ist die gemeinsame Wertschöpfung. „Ein Wert ist dabei der erzielte Vorteil im Verhältnis zu den Kosten. Die Schaffung von Wert ist als Konzept in der Wirtschaft gut etabliert. Gesellschaftliche Fragen aber werden von Unternehmen bislang nur selten aus einer solchen Wertsicht analysiert. “

Interessanterweise haben Business Schools, so Klaus Schuler in „Erfolgreich Führen und Wirtschaften“ angefangen, von ihren Absolventen eine Verpflichtung abzuverlangen, ähnlich dem Hippokratischen Eid der Ärzte. So soll unterstützt werden, dass die Haltung der Führungskräfte, also die Frage „Wozu wirtschaften wir?“ weg vom Old-School-Modell der Ökonomie, bereits in die richtige Richtung geht.

 

Deskriptive Modelle

Ein verbreiteter Ansatz sind einige der deskriptiven Konzepte. Sie bieten viel Freiraum, aber keine tatsächliche Übersicht und Vergleichbarkeit, wie als Unternehmen, NPO, kommunaler Betrieb, Kommune der Aufgabe eines nachhaltigen Managements nachgekommen wird. Das bekannteste deskriptive Konzept der Unternehmensverantwortung ist wohl CSR – Corporate Social Responsibility, auch inzwischen oft CR – Corporate Responsibility genannt.

  • Corporate Social Responsibility
  • Corporate Social Performance
  • Stakeholder-Theorie
  • Corporate Citizenship
  • Corporate Political Responsibility
  • Consumer Responsibility (Befähigung des Konsumenten von Seiten des Unternehmens/ der Organisation)
  • Corporate Sustainability
  • Postwachstumsökonomie

Die deskriptive Ethik beschreibt, wie sich Menschen tatsächlich verhalten und wie sich das auswirkt.

Normative Modelle

Die normative Konzepte bieten Normen und Bewertungs- und damit Vergleichspotenzial, ebenso aber auch ein deutliches höheres Konfliktpotential als i.d.R. die deskriptiven Modelle in Bezug auf die sich naturgemäß ergebenden notwendigen Abwägungen zwischen ökonomischen und ökologischen/ sozialen Aspekten.

Bei den normativen Modellen handelt es sich um beispielsweise die

  • Integrative Wirtschaftsethik (Peter Ulrich)
  • Ökonomische Unternehmensethik (Karl Homann, Ingo Pies, Andreas Suchanek und Christoph Lütge)
  • Gemeinwohl-Ökonomie (Christian Felber)
  • Governance Ethik (Josef Wieland)

Die normative Ethik versucht Antwort auf die Frage zu geben, wie Menschen handeln sollten

Ein weiterer Ansatz ist die analytische Unternehmensethik nach Hans-Ulrich Küpper, die Komponenten der deskriptiven sowie normativen Modelle aufgreift und ihren Gegenstand in der Untersuchung von Wertproblemen sieht. Anwendung findet sie beispielsweise im Bereich der Corporate Governance.

In der Literatur werden weitere Konzepte genannt wie beispielsweise die Dialogethik (Horst Steinmann und Albert Löhr), die eine enge Verbindung mit der Stakeholdertheorie als deskriptivem Konzept aufweist. Oder auch die Entscheidungsethik nach Hartmut Kreikebaum, relevant für global agierende Unternehmen. Sie zielt auf unterschiedliche Kulturen, Religionen und Ethikvorstellungen ab.

Alle Modelle stehen an unterschiedlichen Punkten in der Kritik – CSR als White- oder Greenwashing bis hin zu der angenommenen Realitätsfremdheit der normativen Modelle in Bezug auf die bisher quasi rein ökonomische Orientierung von Unternehmen.

Legobaukastensystem nach Harald Welzer

Der Soziologe und Zukunftsforscher Harald Welzer schlägt vor: „Wir könnten doch mal die Bausteine, die schon vorhanden sind, sortieren und neu kombinieren. Statt großer Revolutionen …führen wir modulare durch“. Mit diesem „Legobaukastensystem“-Gedanken  läßt sich beispielsweise ein Modell der Normativen Unternehmensethik kombinieren mit der Stakeholder-Theorie oder der Corporate Political Responsibility aus der Sparte der deskriptiven Konzepte.

Die SDGs

Auch die SDGs – die 17 Sustainable Development Goals – bieten eine Struktur für ein Unternehmensverantwortungskonzept, z.B. analog der Wertschöpfungskette oder/ und ausgerichtet auf Stakeholdergruppen. Mit insgesamt 17 Zielen, angefangen bei SDG 1 – Keine Armut – bis hin zu SDG 17 – Partnerschaften zur Erreichung der Ziele, werden globale ebenso wie nationale und lokael Herausforderungen adressiert.

Ebenfalls möglich ist ein Einstieg in die Unternehmensverantwortung über ein Nachhaltigkeitsberichtsformat wie den DNK – Deutscher Nachhaltigkeitskodex. Hier wird im Endeffekt das Pferd von hinten aufgezäumt, aber vom Ergebnis her ist das Pferd aufgezäumt, d.h. das Ergebnis ist durchaus zufriedenstellend.

Unternehmensverantwortungskonzepte als Resilienzverstärker

„Resiliente Systeme, ob Unternehmen, kommunale Betriebe, Non-Profit-Organisationen, Initiativen sind gegenüber auch unwahrscheinlichen Veränderungen widerstandsfähig und halten ihre grundlegenden Funktionen aufrecht, sie verfügen ebenfalls über Regenerations- und Lernfähigkeit.“

Verantwortliches Handeln und das darauf aufbauende Vertrauen der Stakeholder ist für Resilienz und Zukunftsfähigkeit ein wichtiger Faktor. Der Sinn und der Nutzen von Unternehmensverantwortungskonzepten liegt auf vier Ebenen:

  • Im Unternehmen / in der Organisation
  • Am Markt
  • In der Gesellschaft/ dem Umfeld
  • Der Umwelt

Im Unternehmen/ in der Organisation

  • Sie tragen zur Organisationsweiterentwicklung bei u.a. durch ein effektives Risikomanagement

Mitarbeitende

  • Engagiert sich ein Unternehmen gesellschaftlich, steigt nach dem Edelman trust barometer 2017 die Motivation/ Leistungsbereitschaft von 59 auf 82% und die Empfehlungsquote von 58% auf 85%

Führungskräfte

  • 71% der CEOs einer Umfrage von UN Global Compact / Accenture, 2019 glauben, dass – mit verstärkten Aktivitäten – die Wirtschaft eine wesentliche Rolle bei der Realisierung der SDGs spiele. 
  • 99 Prozent der in o.a. Umfrage befragten CEO benennen Nachhaltigkeit als Unternehmensverantwortungskonzept entscheidend  für den zukünftigen Erfolg  ihres Unternehmens.

Am Markt

Gesellschaft /  Umfeld

  • Licence to operate: Sie tragen zum Erhalt von Natur/ Umwelt und Region bei
  • Eine Befragung des Meinungsforschungsinstituts Civey hat ergeben, dass jeder zweite Deutsche es befürwortet, wenn Unternehmen politische Haltungen
  • Sie tragen mit zum Aufbau von neuem gesellschaftlichen Zusammenhalt bei

Umwelt

  • Sie bieten ökologisch, sozial und ökonomisch nachhaltige(n) Produkte / Service
  • Sie gehen proaktiv an neue gesetzliche Regularien heran
  • Sie sparen Ressourcen und Emissionen

Herausforderungen bei der Einführung von Unternehmensverantwortungskonzepten

Verantwortung ist – im Vergleich zum Begriff Pflicht und seinen entsprechenden i.d.R. vorhandenen Pflichtenkatalogen – ein sehr komplexes System. Pflicht ist ein Bestandteil davon. Verantwortung erfordert aber eine deutlich höhere Reflexion von Seiten von allen Beteiligten. „Ich habe nur meine Pflicht getan – in Abarbeitung von Pflichtenkatalogen“, ist nicht ausreichend.

Aktuell fehlt es an konkreten Definitionen, was bedeutet Verantwortung für ein Unternehmen, für eine Organisation.

Die bereits o.a. CEO-Studie des UN Global Compact / Accenture 2019 stellte fest, dass Verbesserungen von gesetzlichen / politischen  Rahmenbedingungen sowie die Neudefinition verantwortungsvoller Führung notwendig sei, um der Wirtschaft zu helfen, ein führender Treiber für ein nachhaltiges Management zu sein. Weiterhin gaben 28% der befragten Führungskräfte „Fehlenden Marktbezug“ als Hindernis für nachhaltiges Wirtschaften an,  55% benannten den Konflikt des extremen Kostendrucks und gleichzeitig in langfristige strategische Ziele zu investieren als Hindernis.

Es entstehen Konflikte auf mehreren Ebenen:

Mikroebene:

  • Konflikt: Erfordert Erneuerung Wertekultur/ Normen für Geschäftsführung/ Mitarbeiter (mentale Infrastruktur / Zukunftsforscher Harald Welzer). Change-Managementprozess!

Mesoebene

  • Kurzfristiges Gewinnstreben / wirtschaftliche Effizienz versus langfristiger resilienter Ausrichtung (Wertschöpfungpotentiale können u.a. nicht genutzt werden). Argumentations-/ Legitimationsproblematik. Warum sollte man auf Gewinne verzichten?

Makroebene:

  • Mangelnde politische Unterstützung bzw. unzureichende politische Rahmenbedingungen.

 

Resilienzgemeinschaften

Wir gegen die

Lt. der Forsa Umfrage „Andere Teilung, More in Common“  aus 2019 sind 70% der Menschen in Deutschland der Meinung, dass sich das Land in die falsche Richtung bewegt. Jeder zweite ist unzufrieden damit, wie die deutsche Demokratie funktioniert. Die Mehrheit findet, dass sich die gesellschaftliche Lage in den letzten fünf Jahren verschlechtert hat, während nur 5% erwarten, dass sie sich in den kommenden Jahren verbessern wird.

70 % der Menschen wünschen sich, dass wir trotz unserer Unterschiede zusammenfinden.

Eine Gesellschaft, in der „Wir gegen die“ gilt, ist nicht nur anfälliger für Spaltung, sondern auch nicht in der Lage, die großen Herausforderungen unserer Zeit produktiv zu bearbeiten und um die Zukunft zu ringen – von der Klimapolitik über die Migration bis zu fundamentalen Gerechtigkeitsfragen.

 

Alle Akteure an einen Tisch

„Die Leute glauben, Beispiel Klimakrise, dass es ein für alle Mal und für alles und sofort Lösungen geben muss. Aber so etwas gibt es eigentlich nirgendwo. Ich meine, dass man in fast allen Situationen in der Moderne sehen kann, dass die Macht oder die Einflussmöglichkeiten geteilt werden.“… „Die Kunst besteht wahrscheinlich darin, Leute zusammenzubringen, die unterschiedliche Probleme gleichzeitig lösen“. Man muß schauen, wo sind die Gelingensbedingungen lokal, an konkreten Orten und mit konkreten Handlungsmöglichkeiten ausprobieren.“ Armin Nassehi, Professor für Soziologie in München und Herausgeber der legendären Intellektuellenzeitschrift Kursbuch.

Nicht umsonst benennen die 17 Nachhaltigkeitsziele der Agenda 2030 das Nachhaltigkeitsziel 17 – Partnerschaften zur Erreichung der Ziele – als einen wichtigen Baustein. Das SDG 17 ist alleiniger Bestandteil des SDG-Kernbereichs partnerships.

Das neue Mindset: Der Homo cooperativus

Jeder Mensch trägt sicherlich Anlagen des Homo oeconomicus in sich. Gebraucht wird aber heute der Homo cooperativus, der die Anlagen in sich vereint, die zum Bewältigen der heutigen Herausforderungen notwendig sind: Empathie, Fairness, Verantwortungs- und Kooperationsbereitschaft. Geben wir ihm die Möglichkeit, aus dem Schatten des Homo oeconomicus herauszutreten.

Unternehmensverantwortung umsetzen

Eine hilfreiche Übersicht zum Thema Unternehmensverantwortungskonzepte und Umsetzungsbeispiele:


Monika Stoehr

November 2020


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