Die Wichtigkeit der Sustainable Development Goals / der  SDGs für mittelständische Betriebe | 15.05.2020

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Entwicklungsland Deutschland – Gründe und Ziele der SDGs

Die heutige Welt ist geprägt von umwelt-, gesellschafts- und wirtschaftspolitisch  drängenden Themen. Um diesen zu begegnen, wurden 2015 mit der Agenda 2030 die Sustainable Development Goals (SDGs) von 193 UN-Mitgliedsstaaten unterzeichnet. Ein für Regierungen, Unternehmen und Zivilgesellschaft einzigartiger und bisher einmaliger Ansatz einer weltweiten Transformation in sozialer, ökonomischer und ökologischer Hinsicht.

Die Ziele dieser Transformation, angefangen bei SDG 1 „Keine Armut“ bis hin zu  SDG 17 „Partnerschaften zur Erreichung der Ziele“ sind, im Unterschied zu den Millenium Development Goals, die 2000 auf die 1992 verabschiedete Agenda 21 folgten, dabei nicht nur auf den Globalen Süden, sondern auch auf den Globalen Norden ausgerichtet. Damit sind die Industriestaaten im Zuge eines zukunftsgerechten Wirtschafts- und Gesellschaftssystem ebenfalls zu Entwicklungsländern geworden.

Auch Deutschland, dem fünftgrößten Müllproduzenten in t pro Tag weltweit, Verbraucher von dreimal soviel Ressourcen, wie vorhanden, und beim Pro-Kopf CO2-Ausstoß mit an die 12t an sechster Stelle weltweit stehend, hat –  in Sachen Nachhaltigkeit – hohen Handlungsbedarf.

Die SDGs stehen der Herausforderung unseres aktuellen profitorientierten Wirtschaftssystems gegenüber, u.a. geprägt von der Externalisierung von Kosten. Die oft mit der Produktion einhergehende Umwelt- und Gesundheitsschädigung und -zerstörung wird nicht eingepreist, womit genau umwelt- und gesundheitsschädigende Produkte günstig sind, viel zu günstig.

2016 wurden die 17 SDGs in die Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie implementiert. Sie tangieren Wirtschafts-, Sozial-, Umwelt- und Finanzpolitik, Agrar- und Verbraucherpolitik und Bereiche wie Verkehr, Städtebau, Bildung und Gesundheit. Seit 2019 erstellt die Bundesregierung einen Indikatoren-Bericht, der Maßnahmen und auch Defizite aufzeigt. [1]

Der „Global Sustainability Development Report“ der UN legte 2019 dar, dass es sich bei den hauptsächlichen weltweiten Herausforderungen um die zunehmende Vermüllung, das fortschreitende Artensterben, die wachsende Ungleichheit und die Klimakrise, auf die die Menschheit quasi ungebremst zusteuert, handelt.[2] 

Im „Brown to Green Report“ 2019 konstatiert dieser für Deutschland im weltweiten Vergleich zu hohe Werte im Bereich der Emissionen bei Verkehr und Gebäuden. [3]

Der “Global Survey on Sustainability and the SDGs” befragte im Zeitraum bis Juni 2019 ca. 27.000 Teilnehmer aus 174 Ländern zu ihrer Meinung und Erwartung zu Nachhaltigkeit und den Sustainable Development Goals (SDGs). Dringendster Handlungsbedarf sind aus Sicht der Wirtschaft die Themen Verantwortungsvolle Konsum- und Produktionsmuster (SDG 12); Maßnahmen zum Klimaschutz (SDG 13) sowie Industrie,  Innovation und Infrastruktur (SDG 9). Die Mehrheit der Unternehmen setzt sich Ziele mit Bezug zu den SDGs. Der Fortschritt in Bezug auf die gesetzten Ziele wird jedoch noch ohne SDG-Bezug gemessen. Die Bedeutung von Partnerschaften zwischen Unternehmen und Regierungen bzw. Politik und Verwaltung wird durch die Umfrageergebnisse untermauert. Befragte aus Politik und Verwaltung und der Privatwirtschaft nennen privatwirtschaftliche Akteure als wichtigste Partner. [4]

Der Mittelstand –  Wandel mitgestalten

Aufgerufen von den Sustainable Development Goals sind Regierungen, Zivilgesellschaft und Unternehmen. Bei 99% der ca. 3,5 Millionen Unternehmen in Deutschland handelt es sich um KMU – klein und mittelständische Unternehmen.

Der Begriff „Der Ehrbare Kaufmann“ und seine Bedeutung im Kontext von Regionalität ist durch Wirtschafts- und Konzernwachstum in den Hintergrund getreten und wird fast schon als old-fashioned belächelt. Denn schließlich – so Albert Carr – „business is a poker game“ und – s0 Milton Friedman – „The business of business is business“. Managergeführte internationale Konzerne sind der Heimatregion weniger verhaftet als ein mittelständisches, regional verwurzeltes Unternehmen. Auch der Begriff „Heimat“ wirkt  in Zeiten der Globalisierung und dem Weltenbürgertum fast schon ebenso old-fashioned wie der Ehrbare Kaufmann. Nichtsdestotrotz ist Heimat, das Zuhause, ein wichtiger Ankerpunkt, ein Heimathafen nicht nur in stürmischen Zeiten – auch wenn wir noch so weltbürgerlich (geworden) sind. Und genau hier liegt der große Hebel des Mittelstands – der wohlgemerkt über 3 Millionen Unternehmen allein in Deutschland. In der Regionalität. Heimat bewirken, Heimat erhalten. Zum Wohle von Mensch und Natur.

Die Erwartungshaltung an Unternehmen ist, lt. Edelman trust barometer, gestiegen. Die Annahme, dass unser System scheitert, ebenfalls. In letzterem liegt gemäß des trust barometers die gestiegenen Erwartungen an Unternehmen begründet.

Vertrauen – ein wichtiges Kriterium für Mitarbeiter- und Kundenbindung – wird am meisten dem Mittelstand und inhabergeführten Betrieben gewährt. In Deutschland vertrauten einer Edelman trust barometer-Studie nach lediglich 49% der Bevölkerung großen Unternehmen, 77% KMU, 86% Familienbetrieben. Ein großes Plus, das viele Möglichkeiten eröffnet und sich so interpretieren läßt: Wenn nicht der Mittelstand, wer dann?

 

Warum die SDGs für Ihren Betrieb wichtig sind

Um es kurz zu fassen: „Geht es dem Planeten schlecht, geht es auch der Wirtschaft schlecht“ – so formulierte es Al Gore.

Auch Aussagen wie „Unternehmen in fünf bis 10 Jahren nicht mehr wettbewerbsfähig ohne Nachhaltigkeitsinitiativen“ [6] aus dem Finance Magazin Mai 2020 oder auch, gemäß der Untersuchung von Unternehmensgrün, „Nachhaltige Unternehmen sind resilienter in der Krise“ [7] machen deutlich, warum Nachhaltigkeit und die 17 Nachhaltigkeitsziele wichtig für Ihren Betrieb sind.

Feststellungen wie „Millionen Krankheitstage durch psychische Leiden wegen zunehmender sozialer Ungleichheit“ lt. Wiwo Mai 2019 [8] zeigen ebenfalls klar auf, in welchem konkreten Zusammenhang Unternehmen und SDGs – in diesem Fall SDG 3 – Gesundheit und Wohlergehen – und SDG 10 – Weniger Ungleichheiten – stehen.

Die Studie des Zukunftsinstituts Frankfurts erläutert die 12 Megatrends der Zukunft. Zusammengedampft auf Unternehmen bleiben fünf für diese als wichtig definierte Trends. Dazu gehört beispielsweise auch die Neo-Ökologie [9]. Der drohende Klimakollaps, aber auch  die mit wachsenden Bio- oder Sharing-Märkten, Energie- oder Verkehrswende u.a. verbundenen Veränderungen reichen bis tief in die  Unternehmensstrategien hinein.

Ebenfalls das Zukunftsinstitut untersucht den Aspekt der unternehmerischen Wertschöpfung: „In Sachen Wertschöpfung und Wohlstand steht ein Paradigmenwechsel bevor – was bedeutet das für Unternehmen?“ Fakt ist: Das BIP enthält keine ökologischen und auch keine gesellschaftlichen Belastungen durch beispielsweise Umweltzerstörung bzw. Gesundheitsschäden und deren monetäre Folgeschäden. Das ist nicht tragbar für uns als Gesellschaft. [10]. Es zerstört unsere Lebensgrundlagen.

Auch neue Standards wie ein Lieferkettengesetz, eine evtl. CSR-Berichtspflicht nicht nur für Betriebe über 500 Mitarbeitende, Regulierungen auf Basis des EU Green Deals werfen ihre Schatten voraus.

Und wer möchte schon sein Unternehmen einem Shitstorm und Boykott im Internet aussetzen, weil der Konsument von heute durch die Digitalisierung völlig andere Kommunikationsmöglichkeiten hat und eine deutlich höhere Transparenz herrscht. An letztere sollte dringend proaktiv herangegangen werden.

Sehen wir der VUCA-World mit ihren globalen aber auch lokal wirkenden systemischen Risiken fest ins Auge.

Aber es gibt Hoffnung: Erfolgsgeschichten von verantwortungsbewußt handelnden Unternehmen, wie Zeiss, Bosch, Alnatura, elobau vermitteln, wie sie es angepackt haben [11]. Grundsätzlich, so ist festgestellt worden, liegt CSR/ Nachhaltigkeit gerade Familienunternehmen in der DNA. Warum? Weil sie generationenübergreifend denken und nicht auf den kurzfristigen Gewinn ausgerichtet sind.  Werner von Siemens sagte „Für den augenblicklichen Gewinn verkaufe ich die Zukunft nicht“.

 

Handeln macht glücklich

Unterschiedliche Akteure, wie Uni Bremen, RENN, Unternehmensgrün, Umweltpakt Bayern haben untersucht, wie die über 3 Millionen Unternehmen des  Mittelstands die unausbleiblichen anstehenden  Veränderungen aktiv mitgestalten können. Die hilfreichen Schriften finden Sie zum Download hier:

„Für die Bewältigung von systemischen Risiken kommt es vor allem darauf an, Strukturen und Regelwerke zu schaffen, die positive Verhaltensweisen verstärken und negative begrenzen oder abfedern.“  (Ortwin Renn, Soziologe). Hierbei unterstützen die SDGs.

Last but not least: Es macht Freude, sich für eine gemeinsame Zukunft einzusetzen. Es ist ungeheuer befriedigend. Es macht Sinn. Es ist enkelgerecht. Und wie schon Jane Goodall, Hannah Ahrendt oder auch Dante sagten: „Handeln macht glücklich.“ Gehen wir es also an.

Kleine Anleitung zum „Glücklich sein“ sprich zum Handeln


Monika Stoehr

Mai 2020


Mehr zum Veranstalter / zur Veranstaltung/ zur Quelle:

[1] https://sustainabledevelopment-germany.github.io/

[2] http://www.bmz.de/de/presse/aktuelleMeldungen/2019/september/190912_pm_049_UNO-Bericht-fordert-Ambitionssteigerung-bei-der-Umsetzung-der-2030-Agenda/index.html

[3] https://www.forum-csr.net/News/14022/ReportzuKlimaschutzinG20Staaten.html?

[4] https://www.globalsurvey-sdgs.com/de/#weitersagen

[5]

[6] https://www.finance-magazin.de/cfo/strategie/cfos-sehen-nachhaltigkeit-als-werttreiber-2057131/#.Xr8fHez31ac.twitter

[7] https://www.unternehmensgruen.org/blog/2020/05/13/umfrage-nachhaltige-unternehmen-resilienter-in-der-krise/

[8] https://www.wiwo.de/erfolg/beruf/stress-im-buero-wenn-sie-wissen-wollen-wie-gestresst-jemand-ist-schauen-sie-auf-den-bauch/24371350.html?social=xing&xing_share=news)

 [9] https://www.zukunftsinstitut.de/artikel/der-wichtigste-megatrend-unserer-zeit/

[10] https://www.zukunftsinstitut.de/artikel/die-zukunft-der-unternehmerischen-wertschoepfung/

[11] https://stiftung-verantwortungseigentum.de/

 


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